Zur Geschichte der Liebfrauenkirche


Die Liebfrauenkirche mit dem alten Pfarrhaus zur Zeit der Einweihung

Die Chorseite der Liebfrauenkirche

Der ehemalige Hochaltar

Bau:

Massiv und wehrhaft steht sie da, die Liebfrauenkirche. Als ein Kind ihrer Zeit ist sie dem historisierenden Stil verpflichtet, verbindet die Kraft des neoromanischen Baustils mit Elementen der Leichtigkeit der Neogotik.

Erbaut wurde sie in den Jahren 1907 bis 1909 durch den bekannten Kirchenarchitekten Josef Cades, der in Stuttgart zuvor bereits St. Johannes in Untertürkheim oder St. Elisabeth im Stuttgarter Westen und zahlreiche weitere Kirchen der Diözese geplant und errichtet hatte. Am 8. April 1908 wurde der Grundstein gelegt, der noch heute im Windfang des Hauptportales links neben dem Eingang zu sehen ist. Nach dem Richtfest am 8. August 1908 konnte bereits am 8. November 1908 die Weihe der Glocken begangen werden, denen freilich keine lange Lebensdauer geschenkt war.

Mit Beginn des Jahres 1909 schritten die Arbeiten im Inneren voran. Über das weite Mittelschiff spannte sich bis zum Jahr 1944 ein Kreuzgurtgewölbe. Die schmalen Seitenschiffe dienen als Umgang und setzen sich in einem Chorumgang fort, der um den einstigen Hochaltar herumführte. Die Seitenschiffe sind zweigeschossig, mit eingezogenen, gewölbten Emporen, die sich ursprünglich wie der untere Umgang im Chor um den Hochaltar fortsetzten. Der gesamte Innenraum war ursprünglich ornamental bemalt.

Am 16. November 1909 wurde die Liebfrauenkirche schließlich durch Bischof Paul Wilhelm von Keppler unter Anwesenheit des württembergischen Königs Wilhelm II. und seiner Gemahlin Charlotte feierlich geweiht.

Da die benachbarte altehrwürdige Uff-Kirche (heute Friedhofskapelle) als Pfarrkirche des Weilers Uffkirchen jahrhundertelang der Muttergottes geweiht war, sollte auch die neue Kirche auf dem Seelberg unter dem Patrozinium der Mutter Jesu stehen. Als Kirche zu „Unserer Lieben Frau von Bad Cannstatt“ wurde die Kirche auf den Titel „Maria – Hilfe der Christen“ (Patrozinium: 24. Mai) geweiht.

Die Liebfrauenkirche zur Zeit ihrer Entstehung:

  Länge außen: 60 m
  Breite außen (Querschiff): 27 m
  Turmhöhe: 40 m 
  1.200 Sitzplätze
  Fassungsvermögen insgesamt: 3.000 Menschen
  Baukosten: 300.000 Mark

  

 

 

 



Kriegsschäden an der Liebfrauenkirche 1944

Kriegsschäden:

Am 12. September 1944 (Gedenktag Mariä Namen) wurde die Liebfrauenkirche bei einem Luftangriff schwer beschädigt. Das Gewölbe im Kirchenschiff stürzte ein.

Erst in den Jahren 1947 bis 1948 konnte die Kirche teilweise wiederhergestellt werden. An die Stelle des gemauerten Hauptschiffgewölbes trat nun die jetzt noch vorhandene Holzdecke, deren Bretter einfach unter das noch vorhandene alte Gebälk (heute noch sichtbar als dunkle Querstreben) genagelt wurden. Am 3. Oktober 1948 konnte die Liebfrauenkirche wieder eröffnet werden.

 

 

 




Innensanierung 1963/64:

Vom November 1963 bis April 1964 wurde die Liebfrauenkirche unter Pfarrer Dr. Leopold Kurz grundlegend umgestaltet. Die Raumschale wurde mit einem Rauputz versehen und beige/braun gefasst. Der Altarraum erfuhr eine tiefgreifende Umgestaltung, die vom Geist der Zeit des II. Vatikanischen Konziles und der Nachkriegszeit geprägt war. Die umlaufende Empore im Altarraum wurde entfernt und die Chorfenster nach unten hin verlängert. Der Hochaltar von 1909 wurde entfernt (Noch vorhandene Teile sind auf der linken Querschiffempore angebracht.). Ein neuer Volksaltar, Ambo, Tabernakel und Taufstein aus Trientiner Marmor und Bronze wurden durch den Ravensburger Künstler Josef Henger geschaffen. Prof. Wilhelm Geyer, Ulm, schuf das komplette Bildprogramm der neuen Chorraumfenster, der Obergadenfenster im Hauptschiff und der drei Rosetten in den Querschiffen und am Westportal.

 

Aufgrund gravierender Schäden musste in den Jahren 1971 bis 2005 die gesamte Außenfassade in mehreren Abschnitten saniert werden. Dabei erfuhr die Rosette über dem Hauptportal eine umfangreiche Sanierung und Stabilisierung.

 

 

 

 





Innensanierung 2006/07

Nach über 40 Jahren war eine weitere tiefgreifende Sanierung des Kircheninnenraumes unumgänglich geworden. Die Liebfrauenkirche war durch Ruß und Dreck der Jahrzehnte dunkel und düster geworden, Kirchenbänke waren marode und morsch geworden. Beleuchtung, Elektroinstallation und Heizungsanlage bedurften nach vier Jahrzehnten einer dringenden Revision. Die Orgel galt es technisch und klanglich zu überholen.

Unter Leitung der Stuttgarter Architektin Anna Blaschke, Beratung des Rottenburger Diözesanbaumeisters H. Giese, des Kirchengemeinderates und Pfr. Martin Kneer, sowie den MitarbeiterInnen des Landesdenkmalamtes wurde die Liebfrauenkirche vom 2. Mai 2006 bis 21. September 2007 einer umfangreichen Innensanierung unterzogen. Am 22. September 2007 konnte die Liebfrauengemeinde mit Weihbischof Thomas Maria Renz in einem großen Festgottesdienst die Wiedereröffnung und Segnung der renovierten und umgebauten Walcker-Orgel begehen.

Jedes Haus bleibt letztlich eine immerwährende Baustelle, auch ein Gotteshaus. So steht die seit vielen Jahren aufgeschobene Sanierung des Daches der Liebfrauenkirche als nächste zu schulternde Großbaustelle noch aus... .

 

 

 

Die Pfarrer von Liebfrauen

 

Aktuelle Eindrücke: 

Die Liebfrauenkirche heute

Ein Rundgang durch die Liebfrauenkirche

Bilder der Wiedereröffnung der Liebfrauenkirche nach der Sanierung 2006/2007